Torwarthandschuhe kaufen – worauf achten?

Während bei den Feldspielern die Fußballschuhe im Mittelpunkt des Interesses stehen, sind Torwarthandschuhe der wichtigste Ausrüstungsgegenstand eines Torhüters, egal ob dieser in der Kreisliga oder Bundesliga spielt. Die Wahl der richtigen Handschuhe trägt erheblich zu einem guten Ballgefühl bei, was das unter anderem das Fangen des Balls erleichtert und dem Torwart so zusätzliche Sicherheit gibt. Einerseits sollten die Handschuhe daher die Beweglichkeit der Hand möglichst wenig beeinträchtigen, andererseits müssen sie neben dem notwendigen Grip aber auch eine ausreichende Dämpfung und einen Schutz der Hand bei scharf geschossenen Bällen gewährleisten.

Dieser Artikel soll eine Hilfestellung und Empfehlung bieten, worauf du beim Kauf von neuen Torwarthandschuhen achten solltes, um einen möglicherweise teuren Fehlkauf zu vermeiden.

Richtige Größe

Entscheidend für den richtigen Sitz des Handschuhs ist die Auswahl der passenden Größe. Die Handschuhe sollten eng anliegen, ohne jedoch die Beweglichkeit der Hand einzuschränken. Ist der Handschuh zu eng, leidet die Flexibilität der Finger, was insbesondere das Fangen und Fausten des Balls erschwert. Außerdem kann es zu Druckstellen an der Hand kommen, was bei Spielen oder längeren Trainings sehr unangenehm sein kann. Sind die Handschuhe hingegen zu weit, leidet das Ballgefühl ebenfalls, weil die Hand im Handschuh verrutschen kann. Dadurch steigt das Risiko, dass der Ball beim Fangen durchrutscht oder nicht festgehalten werden kann. Wenn z.B. die Finger der Hand deutlich kürzer sind als die des Handschuhs, kann beim Greifen kein richtiger Druck auf den Ball ausgeübt werden.

Die Größe von Torwarthandschuhen wird in der Regel mit einer Nummer angegeben, üblicherweise liegt diese zwischen 3 und 12. Bei Handschuhen mit Größe 7 oder weniger handelt es sich normalerweise um Torwarthandschuhe für Kinder. Erwachsene habe meist eine Größe zwischen 9 und 11.

Ähnlich wie bei Schuhen fallen allerdings auch die Handschuhe je nach Hersteller unterschiedlich groß aus. Außerdem gibt es verschiedene Methoden, mit denen die Größe der Hand ermittelt und daraus eine Handschuhgröße ermittelt wird. Aus diesem Grund gibt es für die Hersteller verschiedene Größentabellen, mit denen die passende Handschuhgröße bestimmt werden kann.

Größentabellen für Adidas, Derbystar, Nike, Reusch und Uhlsport

Schnitt des Torwarthandschuhs

Neben der Größe spielt auch die Schnittform eine wichtige Rolle für den guten Sitz des Handschuhs. Heutzutage gibt es drei verbreitete Schnitte: Außennaht, Innennaht und Rollfinger. Mache Modelle weisen auch eine Kombination von verschiedenen Schnittformen auf. Welche Form einem am meisten zusagt, lässt sich normalerweise nur durch Anprobieren herausfinden, die Vorlieben sind hier sehr unterschiedlich.

  • Außennaht: auch als klassischer oder positiver Schnitt bekannt, bei dem der Haftschaum von außen vernäht wird. Dieser Schnitt bietet eine große Fangfläche, sitzt aber an den Fingern vergleichsweise locker.
  • Innennaht: auch als negativer Schnitt bezeichnet, bei dem der Haftschaum im Inneren des Handschuhs vernäht wird. Dadurch liegt der Handschuh eng am Finger an, die Kontaktfläche mit dem Ball ist jedoch kleiner als bei einem Torwarthandschuh mit Außennaht.
  • Rollfinger: hier ist der Haftschaum ohne sogenannte Schichtel direkt mit dem Material der Oberhand vernäht, wodurch es keine Naht auf der Fangfläche gibt. Ähnlich wie Innennaht-Handschuhe sitzt dieser Schnitt eng am Finger, die Fangfläche ist aber ebenfalls reduziert.

Außennaht, Innennaht, Rollfinger – detaillierte Übersicht mit Vor- und Nachteilen

Passender Haftschaum

Der Haftschaum des Handschuhs sollte auf den Belag des jeweiligen Fußballplatzes abgestimmt werden. Die einfache Grundregel lautet hier: je mehr Grip der Haftschaum hat, desto weicher und empfindlicher ist er auch. Die Topmodelle der meisten Hersteller verwenden sehr weiche Haftschäume aus Latex (z.B. Supergrip von Uhlsport oder Evo Zone Tech von Adidas) die für das Spielen auf Naturrasen oder neueren Kunstrasenbelägen ausgelegt sind. Auf härteren Plätzen, wie z.B. altem Kunstrasen oder Ascheplätzen, haben diese Handschuhe durch den hohen Abrieb eine deutlich reduzierte Haltbarkeit. Aus diesem Grund haben alle Hersteller auch stabilere Beläge im Sortiment, die sich auch für solche Platzverhältnisse eignen (z.B. Graphit von Uhlsport, speziell für Hartplätze). Diese erhöhte Lebensdauer geht dann jedoch deutlich zu Lasten der Haftung.

Darüber hinaus gibt es auch spezielle Beläge für Regenwetter, die ihren vollen Grip erst bei Nässe entfalten (z.B. A2 Aqua Tech von Reusch). Ein Nachteil dieser speziellen Handschuhe ist, dass die Haftung bei trockenem Wetter meist schlechter ist, zudem sind die Haftschäume auch sehr weich und unterliegen somit einem hohen Verschleiß.

Wer sich nicht für jeden Untergrund und jedes Wetter einen eigenen Handschuh zulegen kann oder will, der sollte versuchen einen Kompromiss zwischen guten Hafteigenschaften und guter Haltbarkeit zu finden. Trotzdem kann es, gerade bei harten Plätzen, durchaus sinnvoll sein, für das Training einen (günstigeren) separaten Handschuh mit einer höheren Haltbarkeit zu kaufen, um die Lebensdauer der eigentlichen Spielhandschuhe so deutlich zu erhöhen.

Fingerschutz

Alle Hersteller bieten mittlerweile auch Torwarthandschuhe mit Fingerschutz und Daumenschutz an. Obwohl die Bezeichnungen der Technologien unterschiedlich sind (z.B. Fingersave bei Adidas oder Ortho-Tec bei Reusch), funktionieren diese alle nach dem gleichen System: durch zusätzliche stabilisierende Elemente in den Handschuhen sollen die Finger des Torwarts vor dem Umknicken oder Überstrecken nach hinten geschützt werden, um so Verletzungen zu vermeiden. Ein Nachteil ist, dass die Flexibilität der Hand geringfügig reduziert wird, was zu einer Verschlechterung des Ballgefühls führen kann.

Sofern die Finger verletzungsfrei sind, sollte man aus diesem Grund eher auf einen Fingerschutz verzichten. Auch bei den Profis spielt die überwiegende Zahl der Torhüter üblicherweise ohne Fingerschutz. Ebenso ist für Neulinge im Tor und auch Kinder von einem Fingerschutz abzuraten, da bei Anfängern zuerst noch das Erlernen der Fangtechnik bei voller Flexibilität der Hände Priorität haben sollte.

Wie sehr man sich durch den Fingerschutz tatsächlich beeinträchtigt fühlt, ist eine sehr individuelle Sache, daher sollte man vor dem Kauf Handschuhe mit und ohne Schutzelementen testen. Viele Systeme der Hersteller bieten inzwischen auch die Möglichkeit, die Protektoren bei Bedarf auf dem Handschuh zu entfernen (teilweise sogar einzeln pro Finger), so dass man den Schutz nur dann einsetzen muss, wenn man ihn wirklich benötigt.

Fingersave, Ortho-Tec, Bionikframe und Co – Fingerschutztechnologien im Überblick

Fazit

Die grundlegenden Punkte, die man beim Kauf von Torwarthandschuhen beachten sollte, sind

  • die Auswahl der passenden Größe,
  • der richtige Schnitt,
  • ein zum Belag passender Haftschaum und
  • die Entscheidung für oder gegen einen Fingerschutz.

Wer sich also vorher über die Punkte Gedanken macht, kann die Auswahl aus der Fülle an Angebote bereits deutlich reduzieren und stellt so sicher, dass er einen Handschuh erwirbt, mit dem er auch die maximale Leistung erbringen kann.